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NameRelief

Zuhörer

Künstler*in deutsch, 1875 - 1962
Date1959
DescriptionBis zum Ende des Zweiten Weltkriegs lehrte der Stuttgarter Künstler Alfred Lörcher (1875–1962) in seiner Heimatstadt an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste. Lörcher war seit 1919 Professor an der Kunstgewerbeschule. Nach einem zeitweiligen Ausstellungsverbot 1936 wurde er zwei Jahre später zu einem einfachen Lehrbeauftragten degradiert. Zu dieser Zeit hatte Lörcher als „schwäbischer Maillol“ bereits nationale Bekanntheit erlangt. Seine Figuren zeigen geometrisch-kubische Körper, streng gegliedert, mit dem Ziel, Maß und Gleichgewicht in eine sinnliche bildhauerische Formensprache zu überführen.
Mit dem Ausscheiden Lörchers aus dem akademischen Betrieb im Jahr 1945 begann eine neue Phase, die sich nicht mehr mit der allansichtigen Skulptur, sondern mit der zweidimensionalen Reliefplastik beschäftigte. In diesen Arbeiten ging Lörcher der Frage nach, wie der „Mensch als handlungs- und kommunikationsfähiges Wesen“ in größeren Gruppen interagiert. Die wiederkehrenden Motive und Themen des Künstlers sind Reitergruppen und akademische Kommunikationsorte, wie an den Titeln abzulesen ist: „Dozent“ (1953/53) und „Vor der Konferenz“ (1958). Aus diesen Serien kaufte die Kunstkommission für die Medizinische Klinik im Jahr 1959 zwei Terrakotta-Reliefs an, „Amazonen“ und „Zuhörer“. Letztere zeigt insgesamt 25 Figuren verteil auf fünf Bänken, die in unterschiedlichen Körperhaltungen einem Vortrag folgen. Passenderweise hängte man Lörchers Arbeit „Zuhörer“ an eine Wand vor dem Hörsaal der Medizinischen Klinik, doch war dies nur ein vermeintlich guter Ort. Denn einerseits brachen die Medizinstudierenden den Figuren die Köpfe ab, und anderseits nutzten sie die Seiten des Tableaus, wo quadratische und rechteckige Durchbrüche waren, die wohl stilisierte Fenster zeigen, als Ablagen für Rollen von Toilettenpapier. Aber auch Vandalismus und Verunglimpfung ist Kommunikation. Dass seit den 1980er-Jahren das Tableau als verschollen gilt, scheint konsequent, da Opfer – Menschen wie Kunstwerke – oftmals dasselbe Schicksal der damnatio memoriae teilen.

Standort: Medizinische Klinik, Ottfried-Müller-Str. 10 - Verschollen
DimensionsH x B x T: 57 x 66,5 x 2 cm
MediumTerrakotta
Object numberVBA-Sg-133
Exhibitions
Amazonen
Primary Maker: Alfred Lörcher
1959
Tanzende Kinder
Primary Maker: Hanne Schorp-Pflumm
1966
Ohne Titel
Primary Maker: Fritz Ruoff
1959
Hygieia
Primary Maker: Gerhard Halbritter
nach 1962
Lebensbilder
Primary Maker: Alfred Lörcher
1930
Ohne Titel (Abstrakte Gruppe)
Primary Maker: Hanne Schorp-Pflumm
1960
Stehender junger Mann
Primary Maker: Alfred Lörcher
1934
Ohne Titel (Glasfenster)
Primary Maker: Ida Kerkovius
1959
Büste von Paul Linser
Primary Maker: Ulfert Janssen
1941
Pi Chacán
Primary Maker: Fernando de la Jara
2001
Prima Vera
Primary Maker: Gerhard Marcks
1958
Ohne Titel (Mobile)
Primary Maker: Karl Langenbacher
1959
Büste von Carl Liebermeister
Primary Maker: Hermann Lang
1905
Ohne Titel
Primary Maker: Torben Ebbesen
2002
Im Gleichgewicht
Primary Maker: Claus Bury
2001
Ohne Titel
Primary Maker: Bernhard Huber
2002
Familie
Primary Maker: Rosemarie Sack-Dyckerhoff
1960
Epitaph für Jakob Beurlin
Primary Maker: Hans Schickhardt
nach 1561
Die Lichtlinie
Primary Maker: Heinz Mack
1987